Vom Zeitungstext zum iPad-Dossier

Wie bringt man die Themen einer Zeitung in eine Anwendung für Tablet-Computer? Man kann schlicht eigentlich fürs Papier gestaltete Seiten in die App schieben – oder darin sowas aufziehen wie eine Webseite. Die Frankfurter Rundschau geht andere Wege. Unser Team aus Online-Journalisten und Layouter bereitet ausgewählte Inhalte so auf, wie es sich Menschen wünschen, die sich gerne mit ihrem iPad zurücklehnen, interessante Texte schätzen, großformatige Bilder genießen, ergänzende Filmbeiträge schauen – und sich hier und da von einer spielerischen Gestaltung überraschen lassen wollen.

Was heißt das konkret? Betrachen wir mal die Ausgabe vom 20. Oktober. Schon ein Blick auf die Titelseiten macht klar, dass Zeitung und iPad-Ausgabe unterschiedlich gewichten. Die Zeitung zeigt Bundespräsident Wulff in der Türkei und berichtet von den gefräßigen Energiekonzernen:

Die iPad-App dagegen bringt Kanzlerin Merkel – und fragt, wie lange die CDU-Chefin noch Kanzlerin bleibt:

Wir gehen davon aus, dass iPad-Leser deutlich jünger sind als Zeitungsleser, dass sie technikaffin sind – und multimediale Elemente lieben. Daher setzen wir unterschiedliche Schwerpunkte.

Das Merkel-Thema sieht in der Zeitung so aus:

Ein Frage-Antwort-Text in zwei Spalten, in der Mitte Fotos möglicher Nachfolger. Und so startet die erste Seite des iPad-Dossiers mit dem gleichen Thema:

Die beiden grauen Pfeile rechts unten weisen darauf hin, dass weitere Informationen folgen, wenn man die Seite mit dem Finger nach oben schiebt. Auf der nächsten Seite stehen bunte Fragenzeichen – und dahinter sechs der sieben Fragen, die der Zeitungtext bespricht.

Ein Tipp mit dem Finger auf das erste Fragezeichen – und schon erscheint die erste Antwort.

Zweites Fragezeichen, zweite Antwort – und so weiter:

Unten dann begegnet uns erstmals der magische grüne Punkt. Er verspricht den iPad-Lesern schöne Überraschungen.

Hier eine kleine Bildgeschichte darüber, wie frühere Kanzler gescheitert waren – von Adenauer…

…bis Schröder.

Auf der letzten Seite des iPad-Dossiers schließlich bringen wir die siebte Frage aus der Zeitung, die noch offen ist: Wer könnte Merkel folgen?

Zum Abschluss finden sich noch einige kluge Gedanken zum Thema vom Textchef der Frankfurter Rundschau: Stephan Hebel liest den iPad-Nutzern seinen Leitartikel über Frau Merkel vor.

Fotostrecke, Audiodatei, verschiedene Ebenen (intern nennen wir sie Hotspots) – so stellen wir uns eine angemessene Aufbereitung von Inhalten auf dem iPad vor. Klar, einen Aufwand wie hier beschrieben machen wir nicht mit jedem Zeitungstext – schließlich produzieren wir für den Tag, nicht für die Woche oder einen Monat. Aber unser Anspruch ist schon, unseren App-Lesern immer dann, wenn es sich anbietet, mit einer solchen interaktiven Gestaltung ein kleines Lächeln auf die Lippen zu zaubern.

Über Michael Bayer

Mitglied der Chefredaktion der Frankfurter Rundschau und Leiter des Digital-Ressorts.

3 Antworten auf Vom Zeitungstext zum iPad-Dossier

  1. Oliver :

    Wird es eine Android version vom FR-App geben?

  2. Wir wollen natürlich, dass möglichst viele Geräte unsere Tablet-Version anzeigen können. Begonnen haben wir mit dem Marktführer, Android haben wir im Blick. Termine gibt es aber noch nicht.

  3. Yvana Treptowich :

    Guten Tag,
    wo findet man die Mediadaten (Formate und Preise) für iPad App?
    VG